Cello

Als ich 2003 das erste Mal Apocalyptica hörte, war ich begeistert, wie die vier Finnen Metal-Songs mit ihren E-Cellos rockten. Das Cello war mir bis dahin nur als klassisches Instrument bekannt und das war etwas ganz Neues für mich. Ich verliebte mich in den Klang des Cellos und hätte insgeheim so gern selbst angefangen, dieses Instrument zu spielen. Allerdings war ich vollkommen unmusikalisch, hatte natürlich kein absolutes Gehör und auch nicht das nötige Kleingeld, um dieses vermeintlich sehr teure Hobby zu betreiben.

Im Sommer 2017 brachten mich unsere Nachbarn im Gespräch zufällig auf 2CELLOS, deren Konzert sie besuchen wollten. Ich klickte mich durch einige YouTube-Videos, unter anderem ihr Cover von Michael Jacksons Smooth Criminal und war total fasziniert, was die beiden virtuosen Kroaten da aus ihren Cellos rausholten. Als ich mir an einem sturmfreien Abend das Live-Konzert At Arena Pula 2013 ansah, rührte mich schon das erste Lied Benedictus zu Tränen. Der unglaubliche Klang der Cellos bei diesem klassischen Stück und das leidenschaftliche, sinnliche Spiel der beiden Ausnahme-Talente zogen mich total in ihren Bann. Und dann wieder das Umschalten zu extrem schnellen Rhythmen, die Luka Šulić and Stjepan Hauser wie Maschinen mit so perfekter Präzision und einer guten Prise Humor rocken, dass man nur noch staunend grinsen kann. Bei Highway to Hell hüpft Stjepan mit Blinke-Teufels-Hörnchen im Duckwalk mit seinem Cello über die Bühne und kugelt sich spielend auf dem Boden im Kreis - der absolute Wahnsinn (mehr dazu in meinen Musik-Empfehlungen).

Jetzt ging es nicht mehr anders: ich war so ergriffen und inspiriert - ich musste irgendwie Cello lernen können!

Mein Cello.

Beim Musikhaus Thomann fand ich ein Cello mit Bogen für unter 400 €, das dennoch gut bewertet war. Da ich den Stachel nicht jedes Mal neu einstellen wollte, besorgte ich mir dort gleich noch einen höhenverstellbaren Gitarrenständer (für Streicher kostet das Gleiche immer mindestens das Doppelte), in den mein Mann zwei Löcher mehr für die richtige Höhe bohrte. Da mir bereits vor dem ersten Bogenstrich beim Stimmen gleich die D-Saite riss, gönnte ich mir zusätzlich die Feinstimmwirbel von Wittner, die ähnlich wie die Mechaniken einer Gitarre funktionieren. Dem ein oder anderen Streicherfreund mögen sich bei meiner Ausstattung die Zehennägel kräuseln, aber ich sehe das Ganze recht pragmatisch.

Screenshot des Blogs von bogenbalance.de.

Nun brauchte ich nur noch Unterricht. Da 130 € monatlich bei der ortsansässigen Musikschule eindeutig zu viel waren, wurde ich im Netz fündig: bogenbalance.de. Ich startete mit dem "Streichercoach 1", bei dem der Betreiber Felix Seiffert mit Text- und ein paar Video-Anleitungen durch das Übungsheft "Alles für Streicher" begleitet. Dann schwenkte ich auf den neu herausgekommenen Intensivkurs Cello um, der mich für damals knapp 400 € intensiv und über mehrere Jahre auf dem Cello ausbildet. Jede Lerneinheit bietet dabei ausführliche Videos sowie Audio-Dateien, Texte und gegebenenfalls Handouts. Felix Seiffert gibt dabei immer wertvolle Tipps und Kniffe aus seiner langjährigen Dozentenerfahrung. Darüberhinaus gibt es ein kostenloses Forum zum Austausch mit anderen Streicherfreunden sowie eine Facebook-Gruppe für alle Teilnehmer des Intensivkurses. Alle zwei Wochen tauschen wir uns auch per Video-Chat mit Felix aus. Ich bin immer noch begeistert, überzeugt und sehr zufrieden und erfreue mich an meinen Fortschritten.

Besonders viel Spaß machen außerdem die Workshops, bei denen ich nicht nur von neuem Wissen und Erfahrungen profitiere, sondern auch von der Freude am gemeinsamen Musizieren - egal wie schief es sich am Anfang auch anhören mag. Auch freue ich mich jedesmal auf die Gespräche in den Pausen und am Abend, da es immer eine total gemischte Gruppe unterschiedlichster Charaktere von jung bis alt ist.

2CELLOS Score Konzert in Stuttgart 2018.

Und das 2Cellos-Konzert im Juni 2018 ist immer noch das beste Live-Konzert, auf dem ich jemals war.